In den letzten Jahren ist Arabischlernen zu meiner Leidenschaft geworden. Mit sechs Jahren hatte ich das Glück, ein Jahr lang in einem arabischsprachigen Land Arabisch zu lernen. An alle Wörter, die ich als Kind gelernt habe, erinnere ich mich bis heute, und die schwierigen arabischen Laute kann ich immer noch aussprechen. Leider ist mein Sprachniveau auf dem Stand eines sechsjährigen Kindes stehen geblieben. 2014 beschloss ich, noch einmal ganz von vorn mit Arabisch anzufangen: Ich wollte den Koran auf Arabisch lesen und verstehen können.
Hier erfährst du, was auf meinem Weg zum Arabischen gut lief, was nicht, und was ich daraus gelernt habe.
In unserem Ratgeber liest du, wie du selbst anfangen kannst, Arabisch zu lernen.
Mein Tutor
Ich hatte schon oft versucht, Arabisch zu lernen, und war jedes Mal kläglich gescheitert, weil mir niemand sagte, wo ich anfangen sollte (die Materialien, die ich im Netz fand, waren wirklich furchtbar!). Zum Glück habe ich einen Verwandten, der an einer Hochschule in Frankreich ausgebildet wurde. Er hat mich auf dem ganzen Weg begleitet und mir gezeigt, mit welchen Materialien ich meine Ziele erreiche. Über ein Jahr lang hatten wir an jedem einzelnen Werktag Unterricht über Skype. Ohne sein Wissen und seine Anleitung hätte ich Arabisch nicht lernen können.
Nicht jeder findet einen guten Tutor, deshalb nutze diese Website als Hilfe auf deinem Weg. Deine Fragen beantworten wir gern.
Den Koran lernen
Wie gesagt wollte ich ursprünglich Arabisch lernen, um den Koran lesen und verstehen zu können.
Unsere erste Aufgabe war das Alphabet.
Ich habe mit einem Buch namens Al-Qaidah An-Noraniah angefangen. Es ist ein Lehrbuch zum arabischen Alphabet, das vor allem die richtige Aussprache der Buchstaben vermittelt. In diesem YouTube-Video hörst du, wie die Buchstaben unterrichtet werden. Meist dient dieses Buch als Grundlage, um Lernenden Tajweed beizubringen, also die Regeln für die Rezitation des Korans.
Außerdem habe ich mit einem Arbeitsheft das Schreiben der arabischen Buchstaben geübt. Dafür taugt fast jedes Arbeitsheft zum arabischen Alphabet, such dir einfach eines aus, das am besten zu dir passt.
In unserer Liste mit Materialien zum Alphabet findest du das passende für dich.
Verteilte Wiederholung
Mein Tutor hat mich mit dem Prinzip der Spaced Repetition (verteilte Wiederholung) bekannt gemacht. Spaced Repetition ist eine Methode, die beim Auswendiglernen hilft. Bis heute lerne ich neue arabische Wörter und Wendungen mit der Software Anki. Für mich ist das ein wirklich nützliches Werkzeug, mit dem du sicherstellst, dass du die Sprache jeden einzelnen Tag lernst!
Ich habe diese Wiederholungstechnik bei jedem Schritt eingesetzt: beim Alphabet, beim Lesen von Wörtern, beim Vokabellernen und beim Einprägen von Grammatikregeln.
Den Koran lesen
Nachdem ich die Buchstaben gelernt hatte, fingen wir an, den Koran zu lesen. Um meine Fortschritte zu messen, stoppten wir, wie lange ich für eine Seite im Koran brauchte. Anfangs dauerte eine einzige Seite 20 Minuten! Irgendwann brauchte ich für eine Seite nur noch 2 Minuten.

Als ich schneller lesen konnte, führte mein Tutor nach und nach verschiedene Tajweed-Regeln ein. Welche Rezitationsregel gilt, hängt von der Stellung des Wortes im Vers und vom Muster der Buchstabenfolge ab, und zusammen machen diese Regeln die Rezitation des Korans schön und leicht. Um die Tajweed-Regeln zu festigen, haben wir einen Koran mit besonderer Farbcodierung benutzt. Ich kann dir einen farbcodierten Koran sehr empfehlen, wenn du Tajweed lernst: Die Rezitation wird so zur zweiten Natur und läuft automatisch, statt dass du jedes Muster von Hand analysieren musst.
Hier sind einige Materialien zum Koran, die wir hilfreich fanden.
Arabische Grammatik
Der nächste Schritt auf dem Weg war die arabische Grammatik. Wir haben mit dem Buch A New Arabic Grammar angefangen. Das Buch ist sehr dicht, aber eines der besten, um Grammatik zu lernen. Wir sind beim Lernen mit dem Buch immer nach demselben Muster vorgegangen:

- Vokabeln vorab wiederholen (meist war ich 2 Kapitel voraus)
- Den Stoff des Kapitels lernen und im Unterricht Beispiele durchgehen
- Alle Aufgaben im Buch vollständig lösen
- Die Aufgaben in der nächsten Stunde besprechen
Am Ende kannte ich mich mit den Grammatikregeln und dem Übersetzen zwischen Arabisch und Englisch sehr gut aus. Wenn ich eine Grammatikregel vergessen habe, schlage ich bis heute ab und zu in diesem Buch nach. Rückblickend hätte ich in dieser Zeit auch an meinem Hörverstehen und Sprechen arbeiten sollen. Würde ich jemals mit diesem Buch unterrichten, gäbe es zu jedem Kapitel ein mündliches Referat mit einer Fragerunde auf Arabisch.
Hier findest du unsere empfohlenen Materialien zur arabischen Grammatik.
Al Arabiyyah Bayna Yadayk
Danach ging es weiter mit einem Buch namens Al Arabiyyah Bayna Yadayk („Arabisch in deinen Händen“). Dieses Buch ist wirklich ausgezeichnet, und ich kann es zum Arabischlernen nur empfehlen. Die aktuelle Ausgabe besteht aus 4 Bänden. Jede Lektion beginnt mit einem Gespräch zwischen zwei Personen, danach folgen Vokabeln, Übungen zur Satzbildung und schließlich Leseverstehen. Mit diesem Buch haben sich mein Sprechen und mein Hörverstehen enorm verbessert. Wenn du keine Vorkenntnisse in arabischer Grammatik hast, brauchst du für dieses Buch unbedingt einen Tutor (oder zumindest den Lösungsschlüssel), denn die Grammatikregeln, die überall beiläufig eingestreut sind, werden nicht erklärt.
Arabisch-Zertifikat an der Universität
Ich hatte erst die Hälfte des ersten Bandes von Al Arabiyyah Bayna Yadayk durchgearbeitet, als sich die Gelegenheit bot, mich an einer Universität für ein Arabisch-Zertifikat einzuschreiben. Ich legte Al Arabiyyah Bayna Yadayk beiseite, um mich ganz auf die Uni zu konzentrieren. Die Kurse liefen komplett online und waren um die Reihe Al-Kitaab herum aufgebaut. Das Zertifikat umfasste 4 Kurse, vom Alphabet bis zu allen Verbformen.

Was für die Grammatikbücher spricht, mit denen ich vorher gearbeitet hatte: Ich habe nichts Neues gelernt. Neu war für mich nur das Hören und Sprechen im Dialekt, das in jedem Kapitel vorkam. Insgesamt fand ich den Kurs aber recht dürftig. Das Buch opferte eindeutig Grammatikerklärungen und brachte einem einige schlechte Angewohnheiten bei, um mehr Zeit für Hören und Sprechen zu haben. Ich glaube, die Buchreihe wäre gut gewesen, wenn die Lehrkraft zusätzliche Erklärungen gegeben hätte (statt den Stoff nur zu überfliegen!). Die meisten Studierenden in meinen Kursen tauschten andere Grammatikmaterialien aus, mit denen sie die Al-Kitaab-Bücher ergänzten.
Rückblickend hätte ich einfach mit Al Arabiyyah Bayna Yadayk weitermachen sollen, aber die offizielle Bestätigung meiner Kenntnisse war es wert.
Wenn ein Studium an einer Universität für dich infrage kommt, findest du hier eine Liste von Bildungseinrichtungen.
Heute
Am wichtigsten ist mein ursprüngliches Ziel, den Koran zu verstehen. Ich kann die Wörter zwar in ihrer wörtlichen Bedeutung verstehen, habe aber entschieden, dass es für mich viel wertvoller ist, mich auf den Tafsir zu konzentrieren (Erläuterung, Erklärung, Auslegung, Kontext oder Kommentar für ein klares Verständnis des Korans und feste Überzeugung).
Heute arbeite ich weiter mit Al Arabiyyah Bayna Yadayk und versuche, jeden Tag alle Fertigkeiten zu üben (Lesen, Schreiben, Hören, Sprechen), um fast muttersprachlich flüssig zu werden. Ich esse, schlafe und atme jetzt offiziell Arabisch.
Hier erfährst du, wie du anfangen kannst, Arabisch zu lernen.
Wir würden gern von deinem Weg hören: contact@openarabic.org

