Arabische Vokabellisten > Arabische Gedichte
Arabische Dichtung ist Versdichtung mit festen Versmaßen und einem einzigen Endreim, eine Tradition, die von den Wüstenoden des 6. Jahrhunderts bis zu Mahmoud Darwish reicht. Unten findest du zehn ihrer meistzitierten Verse, jeder voll vokalisiert, in Umschrift, Wort für Wort erklärt und von uns übersetzt, dazu die 16 klassischen Versmaße, die Dichter nach Epochen und welche Gedichte Lernende auf B1-Niveau lesen können.
So liest du diese Seite. Jeder Vers trägt alle Harakat, so wie Gedichtausgaben ihn drucken, denn das Versmaß hängt von den Kasusendungen ab (siehe unsere Tabelle aller arabischen Vokalzeichen). Die Umschrift folgt dem Vers, wie er rezitiert wird. Ein Strich markiert einen langen Vokal (ā ī ū), ein Punkt einen emphatischen Buchstaben (ṣ ḍ ṭ ẓ ḥ), ʿ ist ع und ʾ ist ein Knacklaut. Das „a“ von „al-“ fällt nach einem Vokal weg, deshalb wird وَالسَّيْفُ zu wa-s-sayfu. Die Übersetzungen sind von uns.
Die berühmtesten arabischen Gedichte auf einen Blick
Wir haben zehn Verse ausgewählt, die Arabischsprachige auswendig kennen, einen pro Dichter, in zeitlicher Reihenfolge. Die letzte Spalte ist unsere Einschätzung, wie weit Lernende auf B1-Niveau allein kommen, und der Abschnitt nach den Gedichten erklärt sie.
| # | Dichter | Arabisch | Gestorben | Epoche | Versmaß | Thema | Für Lernende auf B1 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Imruʾ al-Qays | امْرُؤُ القَيْس | 6. Jh. | Vorislamisch | ṭawīl | Verlorene Liebe, ein verfallener Lagerplatz | Schwer |
| 2 | ʿAntara ibn Shaddād | عَنْتَرَة بْن شَدَّاد | um 608 | Vorislamisch | kāmil | Mut, seine Liebe ʿAbla | Mittel |
| 3 | al-Khansāʾ | الخَنْسَاء | um 645 | Vorislamisch bis frühislamisch | basīṭ | Trauer um ihren Bruder Ṣakhr | Mittel |
| 4 | Majnūn Laylā (Qays ibn al-Mulawwaḥ) | مَجْنُون لَيْلَى | 7. Jh. | Umayyadisch | wāfir | Liebe zu Laylā | Leicht |
| 5 | Abū Nuwās | أَبُو نُوَاس | um 814 | Abbasidisch | basīṭ | Wein, Trotz | Mittel |
| 6 | al-Shāfiʿī | الإِمَام الشَّافِعِيّ | 820 | Abbasidisch | wāfir | Geduld, Schicksal | Leicht |
| 7 | Abū Tammām | أَبُو تَمَّام | 845 | Abbasidisch | basīṭ | Krieg, das Schwert gegen die Astrologen | Mittel |
| 8 | al-Mutanabbī | المُتَنَبِّي | 965 | Abbasidisch | basīṭ | Stolz, Selbstlob | Leicht |
| 9 | Abū l-ʿAlāʾ al-Maʿarrī | أَبُو العَلَاء المَعَرِّيّ | 1057 | Abbasidisch | khafīf | Tod, der Staub der Toten | Schwer |
| 10 | Ibn Zaydūn | ابْن زَيْدُون | 1071 | Andalusisch | basīṭ | Trennung von einer Geliebten | Mittel |
Die Daten stammen aus dem Wikipedia-Eintrag des jeweiligen Dichters, etwa zu Imruʾ al-Qays und al-Maʿarrī. Epochen, Versmaße und die vokalisierten Texte stammen von Qafiyah, einer offenen Datenbank arabischer Dichtung, und wir haben jeden Text mit einer zweiten Fassung abgeglichen, meist der arabischen Wikisource.
Die zehn Verse, vokalisiert und Wort für Wort erklärt
Jeder Vers steht zuerst in vokalisiertem Arabisch, dann so, wie er rezitiert wird, dann Wort für Wort und dann in unserer Übersetzung. Eine Verszeile ist ein bayt mit zwei Hälften. Die zweite Hälfte beginnt nach dem Zeilenumbruch, und ihr letztes Wort trägt den Reim, den jede Zeile des Gedichts wiederholt.
1. Imruʾ al-Qays: „Haltet an, lasst uns weinen“
Das ist der Anfang der Muʿallaqa von Imruʾ al-Qays, der ersten der sieben vorislamischen Oden, die als Muʿallaqāt bekannt sind, und wohl die berühmteste erste Zeile im Arabischen. Der Dichter bittet zwei Gefährten, an den Spuren eines Lagers anzuhalten, in dem einst seine Geliebte lebte. Versmaß: ṭawīl. Text: Qafiyah, abgeglichen mit Wikisource.
قِفَا نَبْكِ مِنْ ذِكْرَى حَبِيبٍ وَمَنْزِلِ
بِسِقْطِ اللِّوَى بَيْنَ الدَّخُولِ فَحَوْمَلِ
qifā nabki min dhikrā ḥabībin wa-manzili / bi-siqṭi l-liwā bayna d-dakhūli fa-Ḥawmalī
| Arabisch | Umschrift | Bedeutung |
|---|---|---|
| قِفَا | qifā | haltet an, ihr beiden |
| نَبْكِ | nabki | lasst uns weinen |
| مِنْ | min | über, aus |
| ذِكْرَى | dhikrā | die Erinnerung an |
| حَبِيبٍ | ḥabībin | eine geliebte Person |
| وَمَنْزِلِ | wa-manzili | und einen Lagerplatz |
| بِسِقْطِ | bi-siqṭi | am schmalen Rand |
| اللِّوَى | l-liwā | der gewundenen Düne |
| بَيْنَ | bayna | zwischen |
| الدَّخُولِ | d-dakhūli | al-Dakhūl (ein Ort) |
| فَحَوْمَلِ | fa-Ḥawmalī | und Ḥawmal (ein Ort) |
Unsere Übersetzung: Haltet an, ihr beiden, und lasst uns weinen in Erinnerung an eine geliebte Person und einen Lagerplatz, dort, wo die Düne zwischen al-Dakhūl und Ḥawmal schmal ausläuft.
Zwei Grammatikpunkte gelten auch in der Prosa. Qifā ist ein Imperativ im Dual, der sich an genau zwei Personen richtet. Nabki hat das End-ī von نَبْكِي nabkī (wir weinen) verloren, weil ein Verb, das auf einen Imperativ antwortet, im Jussiv steht. Man liest es also als einen Gedanken: „haltet an, dann weinen wir“.
2. ʿAntara ibn Shaddād: „Warum fragst du nicht die Reiter?“
ʿAntara war der Sohn eines Kriegers der Banū ʿAbs und einer äthiopischen Mutter, Zabība, und wuchs als Sklave auf, bevor er sich seinen Platz im Kampf erstritt. Seine Muʿallaqa prahlt vor ʿAbla, der Frau, die er liebte, mit diesen Kämpfen, und dies ist Vers 43 von 75. Hier spricht er sie mit dem Namen ihres Vaters an. Versmaß: kāmil. Text: Qafiyah, abgeglichen mit Wikisource.
هَلَّا سَأَلْتِ الخَيْلَ يَا ابْنَةَ مَالِكٍ
إِنْ كُنْتِ جَاهِلَةً بِمَا لَمْ تَعْلَمِي
hallā saʾalti l-khayla yā bnata Mālikin / in kunti jāhilatan bi-mā lam taʿlamī
| Arabisch | Umschrift | Bedeutung |
|---|---|---|
| هَلَّا | hallā | warum nicht |
| سَأَلْتِ | saʾalti | du (eine Frau) hast gefragt |
| الخَيْلَ | l-khayla | die Pferde, die Reiter |
| يَا ابْنَةَ | yā bnata | o Tochter von |
| مَالِكٍ | Mālikin | Mālik |
| إِنْ | in | wenn |
| كُنْتِ | kunti | du (eine Frau) warst |
| جَاهِلَةً | jāhilatan | unwissend |
| بِمَا | bi-mā | über das, was |
| لَمْ تَعْلَمِي | lam taʿlamī | du nicht erfahren hast |
Unsere Übersetzung: Tochter des Mālik, wenn du nicht weißt, wer ich bin, warum fragst du dann nicht die Reiter?
Jedes Verb hier steht im femininen Singular, saʾalti, kunti, taʿlamī, und daran erkennst du auch ohne Namen, wer angesprochen wird. Lam taʿlamī ist die verneinte Vergangenheit: لَمْ lam plus Jussiv, der das -na von taʿlamīna abwirft.
3. al-Khansāʾ: „Ein Berg mit einem Feuer auf dem Gipfel“
Al-Khansāʾ ist die bekannteste Dichterin der frühen arabischen Literatur, und ihr Ruhm beruht auf ihren Klageliedern für ihren Bruder Ṣakhr. Sie erlebte das Aufkommen des Islam und starb um 645. Dies ist Vers 17 einer Elegie mit 36 Versen. Versmaß: basīṭ. Text: Qafiyah, abgeglichen mit Wikisource.
وَإِنَّ صَخْرًا لَتَأْتَمُّ الهُدَاةُ بِهِ
كَأَنَّهُ عَلَمٌ فِي رَأْسِهِ نَارُ
wa-inna Ṣakhran la-taʾtammu l-hudātu bihī / ka-annahū ʿalamun fī raʾsihī nārū
| Arabisch | Umschrift | Bedeutung |
|---|---|---|
| وَإِنَّ | wa-inna | und wahrlich |
| صَخْرًا | Ṣakhran | Ṣakhr (ihr Bruder) |
| لَتَأْتَمُّ | la-taʾtammu | folgen als Anführer |
| الهُدَاةُ | l-hudātu | die Wegführer |
| بِهِ | bihī | ihm |
| كَأَنَّهُ | ka-annahū | als wäre er |
| عَلَمٌ | ʿalamun | ein weithin sichtbarer Berg |
| فِي | fī | auf |
| رَأْسِهِ | raʾsihī | seinem Gipfel |
| نَارُ | nārū | ein Feuer |
Unsere Übersetzung: Selbst die Wegführer, die andere leiten, folgen Ṣakhr, als wäre er ein Berg, auf dessen Gipfel ein Feuer brennt.
Lies das letzte Wort als nārū, mit langem ū. Ein kurzer Vokal am Zeilenende wird beim Rezitieren gedehnt, damit der Reim klingt, und jede Umschrift auf dieser Seite markiert das.
4. Majnūn Laylā: „Ich gehe an Laylās Häusern vorbei“
Qays ibn al-Mulawwaḥ, ein Dichter aus dem Nadschd im 7. Jahrhundert, bekam wegen seiner Liebe zu seiner Cousine Laylā den Spitznamen Majnūn, der Verrückte, und ihre Geschichte verbreitete sich in der ganzen islamischen Welt als Layla and Majnun. Diese zwei Zeilen sind das vollständige Gedicht, wie Qafiyah es druckt, und für Lernende der beste Einstieg auf dieser Seite. Versmaß: wāfir. Text: Qafiyah, abgeglichen mit der Fassung, die der Artikel der arabischen Wikipedia über ihn zitiert.
أَمُرُّ عَلَى الدِّيَارِ دِيَارِ لَيْلَى
أُقَبِّلُ ذَا الجِدَارَ وَذَا الجِدَارَا
وَمَا حُبُّ الدِّيَارِ شَغَفْنَ قَلْبِي
وَلَكِنْ حُبُّ مَنْ سَكَنَ الدِّيَارَا
amurru ʿalā d-diyāri diyāri Laylā / uqabbilu dha l-jidāra wa-dha l-jidārā
wa-mā ḥubbu d-diyāri shaghafna qalbī / wa-lākin ḥubbu man sakana d-diyārā
| Arabisch | Umschrift | Bedeutung |
|---|---|---|
| أَمُرُّ | amurru | ich gehe vorbei |
| عَلَى | ʿalā | an |
| الدِّيَارِ | d-diyāri | den Häusern |
| دِيَارِ لَيْلَى | diyāri Laylā | Laylās Häusern |
| أُقَبِّلُ | uqabbilu | ich küsse |
| ذَا الجِدَارَ | dha l-jidāra | diese Mauer |
| وَذَا الجِدَارَا | wa-dha l-jidārā | und jene Mauer |
| وَمَا | wa-mā | und es ist nicht |
| حُبُّ الدِّيَارِ | ḥubbu d-diyāri | die Liebe zu den Häusern |
| شَغَفْنَ | shaghafna | (die) ergriffen hat |
| قَلْبِي | qalbī | mein Herz |
| وَلَكِنْ | wa-lākin | sondern |
| حُبُّ | ḥubbu | die Liebe zu |
| مَنْ | man | dem, der |
| سَكَنَ الدِّيَارَا | sakana d-diyārā | in den Häusern wohnte |
Unsere Übersetzung: Ich gehe an den Häusern vorbei, an Laylās Häusern, und küsse diese Mauer und dann jene. Nicht die Liebe zu den Häusern hat mein Herz ergriffen. Es ist die Liebe zu der, die in ihnen wohnte.
Shaghafna ist ein Verb im femininen Plural, und das wirkt neben dem maskulinen Singular ḥubbu (Liebe) falsch. Es richtet sich stattdessen nach diyār (Häuser), dem Wort, an das der Dichter wirklich denkt. Qafiyah druckt in Vers eins uqabbila; wir drucken den Indikativ uqabbilu, „ich küsse“, der beschreibt, was er im Vorbeigehen tut.
5. Abū Nuwās: „Heile mich mit dem, was mich krank gemacht hat“
Abū Nuwās war der führende Dichter des „modernen“ Stils (muḥdath) im frühen Abbasidenkalifat und der bekannteste Verfasser arabischer Weingedichte. Er taucht auch als Figur in Tausendundeiner Nacht auf. Dies ist die erste Zeile eines Gedichts mit 12 Versen, in dem er einem Kritiker antwortet. Versmaß: basīṭ. Text: Qafiyah, abgeglichen mit Wikisource.
دَعْ عَنْكَ لَوْمِي فَإِنَّ اللَّوْمَ إِغْرَاءُ
وَدَاوِنِي بِالَّتِي كَانَتْ هِيَ الدَّاءُ
daʿ ʿanka lawmī fa-inna l-lawma ighrāʾu / wa-dāwinī bi-llatī kānat hiya d-dāʾū
| Arabisch | Umschrift | Bedeutung |
|---|---|---|
| دَعْ عَنْكَ | daʿ ʿanka | lass ab, hör auf mit |
| لَوْمِي | lawmī | deinem Tadel an mir |
| فَإِنَّ | fa-inna | denn |
| اللَّوْمَ | l-lawma | der Tadel |
| إِغْرَاءُ | ighrāʾu | ist eine Verlockung |
| وَدَاوِنِي | wa-dāwinī | und behandle mich |
| بِالَّتِي | bi-llatī | mit der (feminin), die |
| كَانَتْ | kānat | war |
| هِيَ | hiya | selbst |
| الدَّاءُ | d-dāʾū | die Krankheit |
Unsere Übersetzung: Hör auf, mich zu tadeln. Tadel verlockt mich nur noch mehr. Behandle mich lieber mit genau dem, was mich krank gemacht hat.
Das Gedicht nennt sein Heilmittel nie. Allatī, „die, welche“, ist feminin, weil das Wort, für das es steht, الخَمْر al-khamr (Wein), feminin ist, und jeder arabische Leser ergänzt es von selbst.
6. al-Shāfiʿī: „Lass die Tage tun, was sie wollen“
Al-Shāfiʿī (767–820) begründete eine der vier sunnitischen Rechtsschulen. Ihm werden kurze Weisheitsgedichte zugeschrieben, und dieses Gedicht über das Schicksal mit 13 Versen ist eines davon. Versmaß: wāfir. Text: Qafiyah, abgeglichen mit Wikisource.
دَعِ الأَيَّامَ تَفْعَلُ مَا تَشَاءُ
وَطِبْ نَفْسًا إِذَا حَكَمَ القَضَاءُ
وَلَا تَجْزَعْ لِحَادِثَةِ اللَّيَالِي
فَمَا لِحَوَادِثِ الدُّنْيَا بَقَاءُ
daʿi l-ayyāma tafʿalu mā tashāʾu / wa-ṭib nafsan idhā ḥakama l-qaḍāʾū
wa-lā tajzaʿ li-ḥādithati l-layālī / fa-mā li-ḥawādithi d-dunyā baqāʾū
| Arabisch | Umschrift | Bedeutung |
|---|---|---|
| دَعِ | daʿi | lass |
| الأَيَّامَ | l-ayyāma | die Tage |
| تَفْعَلُ | tafʿalu | tun |
| مَا تَشَاءُ | mā tashāʾu | was immer sie wollen |
| وَطِبْ نَفْسًا | wa-ṭib nafsan | und sei ruhig (wörtlich „sei gut an Seele“) |
| إِذَا | idhā | wenn |
| حَكَمَ | ḥakama | entschieden hat |
| القَضَاءُ | l-qaḍāʾū | das Schicksal, der göttliche Ratschluss |
| وَلَا تَجْزَعْ | wa-lā tajzaʿ | und gerate nicht in Panik |
| لِحَادِثَةِ | li-ḥādithati | über ein Unglück |
| اللَّيَالِي | l-layālī | der Nächte |
| فَمَا | fa-mā | denn es gibt kein |
| لِحَوَادِثِ الدُّنْيَا | li-ḥawādithi d-dunyā | für die Unglücke dieser Welt |
| بَقَاءُ | baqāʾū | Fortdauern |
Unsere Übersetzung: Lass die Tage tun, was sie wollen, und sei ruhig, wenn das Schicksal entschieden hat. Gerate nicht in Panik über das, was die Nächte bringen, denn nichts, was in dieser Welt geschieht, hat Bestand.
Vergleich daʿi hier mit daʿ bei Abū Nuwās: Es ist derselbe Imperativ, „lass“. Das Sukun wird zur Kasra, weil zwei Konsonanten über das „al-“ von al-ayyām hinweg nicht aufeinandertreffen können.
7. Abū Tammām: „Das Schwert bringt wahrere Kunde als die Bücher“
Abū Tammām (gestorben 845) ist ebenso für seine Anthologie Ḥamāsa bekannt wie für seine eigenen Verse. Diese Ode feiert die Eroberung der byzantinischen Stadt Amorion durch den Kalifen al-Muʿtaṣim im August 838 und verspottet die Hofastrologen, die in ihren Büchern gelesen hatten, der Zeitpunkt sei falsch. Versmaß: basīṭ. Text: Qafiyah, abgeglichen mit Wikisource, die als drittes Wort die Variante إِنْبَاءً inbāʾan (Mitteilen) druckt.
السَّيْفُ أَصْدَقُ أَنْبَاءً مِنَ الكُتُبِ
فِي حَدِّهِ الحَدُّ بَيْنَ الجِدِّ وَاللَّعِبِ
as-sayfu aṣdaqu anbāʾan mina l-kutubi / fī ḥaddihi l-ḥaddu bayna l-jiddi wa-l-laʿibī
| Arabisch | Umschrift | Bedeutung |
|---|---|---|
| السَّيْفُ | as-sayfu | das Schwert |
| أَصْدَقُ | aṣdaqu | ist wahrhaftiger |
| أَنْبَاءً | anbāʾan | in seiner Kunde |
| مِنَ الكُتُبِ | mina l-kutubi | als die Bücher |
| فِي حَدِّهِ | fī ḥaddihi | in seiner Schneide |
| الحَدُّ | l-ḥaddu | die Trennlinie |
| بَيْنَ | bayna | zwischen |
| الجِدِّ | l-jiddi | Ernst |
| وَاللَّعِبِ | wa-l-laʿibī | und Spiel |
Unsere Übersetzung: Das Schwert bringt wahrere Kunde als die Bücher. Seine Schneide ist die Linie, die das Ernste von dem trennt, was nur ein Spiel ist.
Die zweite Hälfte dreht sich um ein Wort, das zweimal vorkommt. Ḥadd bedeutet die Schneide einer Klinge und zugleich eine Grenze, das ḥadd des Schwerts ist also das ḥadd zwischen Ernst und Spiel.
8. al-Mutanabbī: „Die Pferde und die Nacht kennen mich“
Al-Mutanabbī (915–965) schrieb seine bekanntesten Lobgedichte am Hof des hamdanidischen Emirs Sayf al-Dawla in Aleppo, und viele seiner Halbverse werden heute als Sprichwörter verwendet. Beide Verse unten stammen aus einem Gedicht mit 38 Versen, in dem er klagt, dass Sayf al-Dawla ihn nicht mehr zu schätzen weiß. Versmaß: basīṭ. Text: Qafiyah (Verse 16 und 23), abgeglichen mit Wikisource.
الخَيْلُ وَاللَّيْلُ وَالبَيْدَاءُ تَعْرِفُنِي
وَالسَّيْفُ وَالرُّمْحُ وَالقِرْطَاسُ وَالقَلَمُ
al-khaylu wa-l-laylu wa-l-baydāʾu taʿrifunī / wa-s-sayfu wa-r-rumḥu wa-l-qirṭāsu wa-l-qalamū
| Arabisch | Umschrift | Bedeutung |
|---|---|---|
| الخَيْلُ | al-khaylu | die Pferde |
| وَاللَّيْلُ | wa-l-laylu | und die Nacht |
| وَالبَيْدَاءُ | wa-l-baydāʾu | und die offene Wüste |
| تَعْرِفُنِي | taʿrifunī | kennen mich |
| وَالسَّيْفُ | wa-s-sayfu | und das Schwert |
| وَالرُّمْحُ | wa-r-rumḥu | und die Lanze |
| وَالقِرْطَاسُ | wa-l-qirṭāsu | und das Papier |
| وَالقَلَمُ | wa-l-qalamū | und die Feder |
Unsere Übersetzung: Die Pferde kennen mich, und die Nacht, und die offene Wüste. Ebenso das Schwert und die Lanze, das Papier und die Feder.
Sieben Verse früher im selben Gedicht steht seine andere berühmte Prahlerei:
أَنَا الَّذِي نَظَرَ الأَعْمَى إِلَى أَدَبِي
وَأَسْمَعَتْ كَلِمَاتِي مَنْ بِهِ صَمَمُ
ana lladhī naẓara l-aʿmā ilā adabī / wa-asmaʿat kalimātī man bihī ṣamamū: Ich bin der, dessen Dichtung selbst die Blinden angeschaut haben, dessen Worte die Tauben hören ließen.
9. al-Maʿarrī: „Tritt leise auf“
Abū l-ʿAlāʾ al-Maʿarrī (973–1057) erblindete als Kind in Maʿarrat al-Nuʿmān in Syrien an den Pocken, studierte in Aleppo und Antiochia und ist für so pessimistische Verse bekannt, dass die Leser seither über seinen Glauben streiten. Dies ist Vers 5 einer Elegie mit 64 Versen, die mit der Feststellung beginnt, dass weder das Wehklagen der Trauernden noch das Lied des Sängers irgendjemandem hilft. Versmaß: khafīf. Text: Qafiyah, abgeglichen mit Poets Gate.
خَفِّفِ الوَطْءَ مَا أَظُنُّ أَدِيمَ الْـ
أَرْضِ إِلَّا مِنْ هَذِهِ الأَجْسَادِ
khaffifi l-waṭʾa mā aẓunnu adīma l- / arḍi illā min hādhihi l-ajsādī
| Arabisch | Umschrift | Bedeutung |
|---|---|---|
| خَفِّفِ | khaffifi | mach leichter |
| الوَطْءَ | l-waṭʾa | deinen Schritt |
| مَا أَظُنُّ | mā aẓunnu | ich glaube nicht |
| أَدِيمَ | adīma | die Haut, die Oberfläche |
| الأَرْضِ | l-arḍi | der Erde |
| إِلَّا | illā | sei etwas anderes als |
| مِنْ | min | gemacht aus |
| هَذِهِ | hādhihi | diesen |
| الأَجْسَادِ | l-ajsādī | Körpern |
Unsere Übersetzung: Tritt leise auf. Ich glaube nicht, dass die Haut der Erde aus etwas anderem besteht als aus diesen Körpern.
Achte darauf, wo die Zeile umbricht. Das Wort الأَرْضِ al-arḍ (die Erde) ist geteilt: Sein „al-“ beendet die erste Hälfte, und „arḍi“ beginnt die zweite. Dichter erlauben das und nennen es tadwīr. Das ist ein Grund, warum al-Maʿarrī ohne Umschrift schwer zu lesen ist.
10. Ibn Zaydūn: „Die Ferne ist an die Stelle der Nähe getreten“
Ibn Zaydūn (1003–1071) aus Córdoba gilt als größter neoklassischer Dichter von al-Andalus. Seine Liebesbeziehung mit der Prinzessin und Dichterin Wallāda bint al-Mustakfī und sein späteres Exil ziehen sich durch einen großen Teil seiner Verse. Dies ist die erste Zeile seiner Nūniyya, 51 Verse, die alle auf -īnā (uns, unser) enden. Versmaß: basīṭ. Text: Qafiyah, abgeglichen mit Wikisource.
أَضْحَى التَّنَائِي بَدِيلًا مِنْ تَدَانِينَا
وَنَابَ عَنْ طِيبِ لُقْيَانَا تَجَافِينَا
aḍḥā t-tanāʾī badīlan min tadānīnā / wa-nāba ʿan ṭībi luqyānā tajāfīnā
| Arabisch | Umschrift | Bedeutung |
|---|---|---|
| أَضْحَى | aḍḥā | ist geworden |
| التَّنَائِي | t-tanāʾī | das Voneinander-fern-Sein |
| بَدِيلًا | badīlan | ein Ersatz |
| مِنْ تَدَانِينَا | min tadānīnā | für unser Einander-nah-Sein |
| وَنَابَ عَنْ | wa-nāba ʿan | und ist getreten an die Stelle |
| طِيبِ | ṭībi | der Süße |
| لُقْيَانَا | luqyānā | unserer Begegnungen |
| تَجَافِينَا | tajāfīnā | unser Uns-voneinander-Abwenden |
Unsere Übersetzung: Die Ferne ist an die Stelle unserer Nähe getreten, und wo unsere süßen Begegnungen waren, ist nur noch unser Abwenden voneinander.
Die drei abstrakten Substantive auf -ī, tanāʾī, tadānī und tajāfī, folgen alle einem Verbmuster, der Form VI, die ein wechselseitiges Tun ausdrückt. Wenn du Form VI kennst, kannst du alle drei erraten; unser Ratgeber zu den arabischen Verbformen I bis X behandelt sie.
Welche arabischen Gedichte können Lernende auf B1-Niveau lesen?
Lernende auf B1-Niveau können Majnūns zwei Zeilen, al-Shāfiʿīs Gedicht über das Schicksal und al-Mutanabbīs „al-khaylu wa-l-laylu“ mit einem Wörterbuch und gedruckten Vokalzeichen lesen. Diese drei verwenden Alltagswörter (Haus, Mauer, Herz, Liebe, Tag, Nacht, Pferd, Schwert, Feder) in einer Reihenfolge, die normaler Prosa nahekommt, und nennen keine entlegenen Orte.
Die schweren sind aus benennbaren Gründen schwer. Imruʾ al-Qays häuft Ortsnamen aus der Wüste und Wörter für Sandformationen an, etwa siqṭ und liwā, die moderne Lehrbücher kaum vermitteln. Al-Maʿarrī teilt Wörter über den Zeilenumbruch und argumentiert in Abstraktionen. ʿAntara und al-Khansāʾ liegen in der Mitte: Die Grammatik ist einfach, aber jede Zeile stützt sich auf eine Geschichte, die du vorher kennen musst.
Wir schlagen diese Reihenfolge vor. Fang mit Majnūn an, dann al-Shāfiʿī, dann al-Mutanabbī, dann ʿAntara und Ibn Zaydūn, und heb dir Imruʾ al-Qays und al-Maʿarrī für den Schluss auf. Lies jeden Vers laut aus der Umschrift, bevor du in die Glosse schaust, denn das Versmaß zeigt dir, wo die Kasusendungen liegen. Für unbekannte Wörter eignet sich hier ein nach Wurzeln geordnetes Wörterbuch besser als eine App; unser Ratgeber zu arabischen Wörterbüchern erklärt, welches du nehmen solltest. Wenn ganze Gedichte noch zu viel sind, sind die einzeiligen arabischen Sprichwörter, auf dieselbe Weise erklärt, die nächstleichtere Stufe, und viele davon stammen aus der Dichtung.
Die 16 Versmaße der arabischen Dichtung
Die klassische arabische Dichtung verwendet 16 Versmaße, genannt بُحُور buḥūr (Meere). Der Grammatiker al-Khalīl ibn Aḥmad (gestorben 786) beschrieb 15 davon, und ein späterer Grammatiker, al-Akhfash, ergänzte das 16., den mutadārak. Ein Versmaß ist ein festes Muster aus langen und kurzen Silben, und jede Zeile eines Gedichts wiederholt es. Die Namen, Bedeutungen und Muster unten folgen dem Wikipedia-Artikel zur arabischen Prosodie (englisch), der sie von Elwell-Sutton (1976) übernimmt.
| # | Arabisch | Name | Bedeutung | Versfüße (ein Halbvers) | Muster |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | الطَّوِيل | ṭawīl | lang | faʿūlun mafāʿīlun faʿūlun mafāʿilun | u – x | u – – – | u – x | u – u – |
| 2 | المَدِيد | madīd | gedehnt | fāʿilātun fāʿilun fāʿilātun | x u – – | x u – | x u – – |
| 3 | البَسِيط | basīṭ | ausgebreitet | mustafʿilun fāʿilun mustafʿilun faʿilun | x – u – | x u – | – – u – | uu – |
| 4 | الكَامِل | kāmil | vollständig | mutafāʿilun ×3 | uu – u – | uu – u – | uu – u – |
| 5 | الوَافِر | wāfir | reichlich | mufāʿalatun mufāʿalatun faʿūlun | u – uu – | u – uu – | u – – |
| 6 | الهَزَج | hazaj | trillernd | mafāʿīlun ×2 | u – – x | u – – x |
| 7 | الرَّجَز | rajaz | zitternd | mustafʿilun ×3 | x – u – | x – u – | x – u – |
| 8 | الرَّمَل | ramal | trabend | fāʿilātun fāʿilātun fāʿilun | x u – – | x u – – | x u – |
| 9 | السَّرِيع | sarīʿ | schnell | mustafʿilun mustafʿilun fāʿilun | x x u – | x x u – | – u – |
| 10 | المُنْسَرِح | munsariḥ | flott dahineilend | mustafʿilun fāʿilātu muftaʿilun | x – u – | – x – u | – u u – |
| 11 | الخَفِيف | khafīf | leicht | fāʿilātun mustafʿilun fāʿilātun | x u – x | – – u – | x u – x |
| 12 | المُضَارِع | muḍāriʿ | ähnlich | mafāʿīlu fāʿilātun | u – x x | – u – – |
| 13 | المُقْتَضَب | muqtaḍab | ungeübt | fāʿilātu muftaʿilun | x u – u | – u u – |
| 14 | المُجْتَثّ | mujtathth | abgeschnitten | mustafʿilun fāʿilātun | x – u – | x u – – |
| 15 | المُتَقَارِب | mutaqārib | sich nähernd | faʿūlun ×4 | u – x | u – x | u – x | u – |
| 16 | المُتَدَارَك | mutadārak | einholend | faʿilun ×4 | x u – | x u – | x u – | x u – |
Legende: – ist eine lange Silbe, u eine kurze, x beides, und uu zwei kurze, die durch eine lange ersetzt werden können. Vier Versmaße dominieren. In Vadets Korpus von etwa 2.300 frühen Beduinengedichten, das derselbe Wikipedia-Artikel zitiert, entfallen 50 % auf den ṭawīl, 18 % auf den kāmil, 14 % auf den wāfir und 11 % auf den basīṭ. Unsere zehn Verse verwenden genau diese vier und dazu den khafīf.
Eine Zeile selbst skandieren
Hier ist al-Mutanabbīs Zeile in Silben zerlegt. Eine Silbe ist lang, wenn sie einen langen Vokal hat oder auf einen Konsonanten endet, und kurz, wenn sie aus einem Konsonanten plus kurzem Vokal besteht. Das Ergebnis ist das Muster des basīṭ, Versfuß für Versfuß:
| Versfuß | Erste Hälfte | Zweite Hälfte | Muster |
|---|---|---|---|
| mustafʿilun | al-khay-lu-wal | was-say-fu-war | – – u – |
| fāʿilun | lay-lu-wal | rum-ḥu-wal | – u – |
| mustafʿilun | bay-dā-ʾu-taʿ | qir-ṭā-su-wal | – – u – |
| faʿilun | ri-fu-nī | qa-la-mū | u u – |
Die letzte Silbe zeigt, warum der Kasusvokal beim Rezitieren gedehnt wird: qalamu braucht eine lange Schlusssilbe, um den Versfuß zu füllen, deshalb wird es als qalamū gesungen. Persische Dichter beschrieben ihre eigenen Versmaße mit al-Khalīls Namen, aber die vier beliebtesten arabischen Versmaße kommen im Persischen fast nie vor. Das Persische übernahm das Vokabular und behielt seinen eigenen Rhythmus, ein Muster, das unser Vergleich von Arabisch und Persisch auch anderswo findet.
Was ist eine Qasida? Der Aufbau eines arabischen Gedichts
Eine Qasida (قَصِيدَة qaṣīda) ist ein langes Gedicht, in dem jede Zeile ein Versmaß beibehält und auf einen Reim endet. Jede Zeile ist ein بَيْت bayt, wörtlich ein Zelt, geteilt in zwei Hälften, die شَطْر shaṭr heißen. Der Reimbuchstabe gibt dem Gedicht seinen Beinamen: Ibn Zaydūns Gedicht endet in jeder Zeile auf nūn, also heißt es Nūniyya.
Die klassische Qasida durchläuft oft drei Teile. Sie beginnt an einem verlassenen Lagerplatz mit der Erinnerung an eine verlorene Liebe, dem nasīb, und genau das tut Imruʾ al-Qays in Zeile eins. Dann beschreibt sie eine Reise durch die Wüste und das Kamel oder Pferd des Dichters. Dann kommt sie zu ihrem eigentlichen Anliegen: Lob eines Gönners, Prahlerei über den Stamm, Spott über einen Feind oder Trauer um die Toten. Spätere Dichter behielten die Teile bei oder ließen sie weg, wie es ihnen gefiel. Abū Nuwās verspottete die Konvention offen und sagt in demselben oben zitierten Gedicht, er weine um den Wein und nicht um irgendeinen verlassenen Lagerplatz.
Der moderne freie Vers, شِعْر التَّفْعِيلَة shiʿr al-tafʿīla, behält einen einzigen Versfuß bei, lässt aber jede Zeile so lang laufen, wie sie es braucht, und der Reim darf wechseln.
Arabische Liebesgedichte
Drei unserer zehn Gedichte sind Liebesgedichte: Imruʾ al-Qays, Majnūn und Ibn Zaydūn. Die Liebeslyrik heißt غَزَل ghazal. Majnūn gehört zur ʿUdhrī-Tradition, benannt nach dem Beduinenstamm der Banū ʿUdhra: eine Liebe, die keusch und unerfüllt bleibt und den Liebenden aufzehrt. Seine Zeilen über Häuser und Mauern sagen das in zwei Versen.
Für Liebesdichtung, die du heute lesen kannst, ist Nizar Qabbani die richtige Adresse, denn sein Arabisch ist bewusst einfach. Kurze Sprüche sind etwas anderes als Gedichte; für die Worte, die man wirklich sagt, sieh dir unsere Seite Ich liebe dich auf Arabisch sagen, mit Koseworten nach Dialekt an.
Arabische Dichter nach Epochen
Die arabische Dichtung wird meist nach der herrschenden Dynastie eingeteilt, dazu kommen zwei moderne Perioden. Die Tabelle nennt die wichtigsten Dichter jeder Periode und womit du anfangen kannst. Die Daten der modernen Dichter stammen aus ihren Wikipedia-Einträgen.
| Epoche | Zeitraum | Dichter | Fang an mit |
|---|---|---|---|
| Vorislamisch (الجَاهِلِيَّة al-Jāhiliyya) | um 500–610 | Imruʾ al-Qays, ʿAntara, Zuhayr ibn Abī Sulmā | Den Muʿallaqāt |
| Frühislamisch | 610–661 | al-Khansāʾ, Ḥassān ibn Thābit | Den Elegien von al-Khansāʾ für Ṣakhr |
| Umayyadisch | 661–750 | Jarīr (um 650–728), al-Farazdaq, Majnūn Laylā | Majnūns kurzen Liebesgedichten |
| Abbasidisch | 750–1258 | Abū Nuwās, Abū Tammām, al-Mutanabbī, al-Maʿarrī, al-Shāfiʿī | al-Mutanabbī |
| Andalusisch | 756–1492 | Ibn Zaydūn, Wallāda bint al-Mustakfī | Der Nūniyya |
| Mamlukisch und osmanisch | um 1250–1800 | al-Būṣīrī (1212–1294) | Der Burda, seiner Lobode auf den Propheten |
| Erneuerung (النَّهْضَة al-Nahḍa) | 1800er–1940er | Maḥmūd Sāmī al-Bārūdī (1839–1904), Aḥmad Shawqī (1868–1932) | Shawqī |
| Modern | ab 1947 | Nāzik al-Malāʾika, Badr Shākir al-Sayyāb, Nizar Qabbani, Mahmoud Darwish, Adonis | Qabbani, dann Darwish |
Moderne arabische Dichter
Die moderne arabische Dichtung beginnt mit Dichtern der Erneuerung, die klassische Qasiden über moderne Themen schrieben, und ändert 1947 mit dem freien Vers ihre Gestalt. Diese sechs Namen begegnen dir zuerst. Ihre Gedichte sind noch urheberrechtlich geschützt, deshalb beschreiben wir sie, statt sie zu zitieren.
- Aḥmad Shawqī (أَحْمَد شَوْقِي, Ägypten, 1868–1932) erhielt den Titel Fürst der Dichter. Er hielt an den klassischen Versmaßen und am Reim fest, wurde von den Briten von 1914 bis 1920 nach Spanien verbannt und schrieb ein langes Gedicht über die Geschichte des Islam. Er liest sich wie ein klassischer Dichter, der zufällig im 20. Jahrhundert lebte.
- Nāzik al-Malāʾika (نَازِك المَلَائِكَة, Irak, 1923–2007) schrieb „al-Kūlīrā“ (Die Cholera, 1947), das die Kritik eine Revolution der modernen arabischen Dichtung nennt, weil es das einheitliche Versmaß und den durchgehenden Reim aufgab.
- Badr Shākir al-Sayyāb (بَدْر شَاكِر السَّيَّاب, Irak, 1926–1964) gilt zusammen mit al-Malāʾika als Begründer des freien Verses. Sein bekanntestes Werk ist „Unshūdat al-maṭar“ (Regenlied, 1960).
- Nizar Qabbani (نِزَار قَبَّانِي, Syrien, 1923–1998) schrieb Liebes- und politische Gedichte in bewusst schlichtem Arabisch. Diese Schlichtheit macht ihn zum leichtesten großen Dichter für Lernende, und Kadim Al Sahir ist der bekannteste der Sänger, die seine Gedichte vortragen.
- Mahmoud Darwish (مَحْمُود دَرْوِيش, Palästina, 1941–2008) gilt als palästinensischer Nationaldichter und verfasste 1988 die palästinensische Unabhängigkeitserklärung. Zu seinen frühen Gedichten gehört „Biṭāqat huwiyya“ (Personalausweis, 1964).
- Adonis (أَدُونِيس, Syrien, geboren 1930) führte die Wende zur Moderne in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts an und ist für Lernende der schwierigste der sechs.
Qabbani und Darwish sind auch der leichteste Weg, moderne Dichtung zu hören, denn ihre Verse werden auf modernem Hocharabisch gesungen. Unsere Seite Arabische Lieder zum Arabischlernen nennt die Sänger, die sie vortragen.
Häufige Fragen
Was ist das berühmteste arabische Gedicht?
Die Muʿallaqa von Imruʾ al-Qays, eine Ode aus dem 6. Jahrhundert mit 78 Versen, die mit qifā nabki (haltet an, lasst uns weinen) beginnt. Sie ist die erste der sieben Muʿallaqāt, der vorislamischen Oden, die spätere Anthologien als das Beste der frühen arabischen Dichtung behandelten, und Arabischsprachige erkennen ihre erste Zeile bis heute sofort. Der Vers al-khaylu wa-l-laylu (die Pferde und die Nacht kennen mich) von al-Mutanabbī ist der meistzitierte Einzelvers.
Wer ist der größte arabische Dichter aller Zeiten?
Die übliche Antwort ist al-Mutanabbī (915–965). Er schrieb Lobgedichte für Sayf al-Dawla in Aleppo, und viele seiner Verse werden bis heute als Sprichwörter verwendet. Für die vorislamische Zeit wird zuerst Imruʾ al-Qays genannt, für die Moderne Mahmoud Darwish oder Ahmad Shawqi.
Wie heißt Dichtung auf Arabisch?
Dichtung heißt shiʿr (شعر), ein Dichter ist ein shāʿir (شاعر). Ein langes Gedicht mit einem Versmaß und einem Reim ist eine qaṣīda (قصيدة), ein kurzes Stück eine qiṭʿa (قطعة), und eine einzelne Zeile ein bayt (بيت), wörtlich ein Zelt. Die Versmaße heißen buḥūr (بحور), Meere.
Was ist eine Qasida?
Eine Qasida ist ein langes arabisches Gedicht, in dem jede Zeile dasselbe Versmaß verwendet und auf denselben Reim endet. Jede Zeile, ein bayt, hat zwei Hälften. Die klassische Qasida beginnt oft mit einem Halt an einem verlassenen Lagerplatz und der Erinnerung an eine verlorene Liebe, beschreibt dann eine Reise durch die Wüste und kommt dann zu ihrem eigentlichen Zweck: Lob, Prahlerei, Spott oder Trauer.
Ist der Koran Dichtung?
Nein. Der Koran ist in keinem der 16 Versmaße geschrieben und weist die Bezeichnung selbst zurück: Koran 69:41 sagt, er sei nicht das Wort eines Dichters. Seine kurzen gereimten Verse ähneln dem sajʿ, der Reimprosa des vorislamischen Arabiens, aber muslimische Gelehrte behandeln ihn als eigene Kategorie, weder Dichtung noch gewöhnliche Prosa.
